Violet vor der Kutsche mit Sibylle Durrer

Eine Tinkerstute namens Violet

Vor nun bald sieben Jahren machte ich mich auf die abenteuerliche Suche nach dem eigenen Pferd oder Pony. Eigentlich hatte ich mich ja schon in einen Tinkerwallach verguckt, den ich mir aber wegen schlechter Ankaufsuntersuchung schweren Herzens vernünftigerweise dann doch nicht gekauft hatte. 

Ich wollte mich nicht auf diesen Pferdetyp beschränken, also schaute ich mir auch Warmblüter an, doch noch weitere Tinker (aber nicht mein Fall) und einen tollen Freibergerwallach. Auch eine Tinkerstute auf der Plattform Reitkalender fand ich ansprechend, aber ins Tessin wollte ich nicht, denn da war sie momentan stationiert. ein Händlerpferd wollte ich nicht, lieber eines, das aus irgendwelchen Gründen von privat nicht mehr gehalten werden konnte. Kontakt hatte ich jeweils per Mail aufgenommen, denn telefonieren ist gar nicht meines.... da kann man sich schon fast geehrt füllen (oder als Notfall), dass ich das Handy zu telefonischen Zwecken aus der Tasche hole. Den Freiberger hatte ich schon sehr stark in Kaufabsicht, als mir auf tutti ein Inserat auffiel: Tinkerstute, 6jährig, von privat ausgeschrieben, ohne Bild und nur mit Telefonnummer. Als was auch immer sich die Verkäuferin bezeichnen mochte (Ehrung oder Notfall), ich habe angerufen und einen Besichtigungstermin ausgemacht. Anschliessend schickte sie mir zwei Bilder: Das musste doch die Stute aus dem Tessin sein? Am nächsten Sonntag fuhr ich mit meinem Partner hin. Er stand mir nicht im Weg, unterstützte mich, aber anschauen musste er das Pony nicht. Er ging unterdessen Zug fahren und Kaffee trinken, sah uns von weitem zu.

Sibylle Durrer mit Violet

Die Stute war bildhübsch. Doch so hübsch sie war, war sie auch scheu, misstrauisch, kannte nichts unter dem Sattel und brannte mir gleich mal durch, als der Zug von hinten zu fahren kam (wohlweislich einige hundert Meter entfernt). Ob mein Partner dies gesehen hatte? Ich führte dies auf ihre Unsicherheit am fremden Ort mit fremder Person zurück und betrachtete dies nicht als Kaufhinderungsgrund. Ich kann viele Dinge nicht gut. Das macht nichts. Aber sich nicht entscheiden können, das kann auch viel Glück verhindern. Die Verkäuferin - ich nenne sie so, weil sie die Stute im Auftrag ihres Tessiner Kolleges verkaufte (der Händler war, by the way) - drängte auf eine Entscheidung. Bis am Dienstag sollte ich ihr Bescheid geben. Ich finde dies sehr verständlich. Wenn man nicht mein Handicap hat. Was habe ich mir in dieser Zeit mein Hirn zermartert. Ich habe Listen geschrieben an Plus- und Minuspunkten für die Tinkerstute und den Fribiwallach. Der Wallach führte mit etwa 10 Punkten. Eine Kollegin meinte, wenn ich von der Stute spreche, dann ganz anders, mit dem Herzen, nicht mit dem Verstand. So langsam verstand mein Verstand. Aber nur langsam. Am Dienstag siegte er nämlich. Ich sagte der Verkäuferin am Telefon, dass ich mich nicht so schnell entscheiden könne. Bei einer Hochzeit tue man das wahrscheinlich auch nicht. Aber sie könne mich anrufen, wenn die Interessentin, die dann aufkreuzen wolle (mitsamt Anhänger, da Züchterin und sehr interessiert aus der Ostschweiz irgendwo), die Stute dann doch nicht einladen würde.

Kaum hatte ich das Telefon aufgehängt, bzw. die Off-Taste gedrückt, verfluchte mein Herz meinen Verstand. Wie konnte ich nur! Ich hätte fast heulen können. Anscheinend MUSSTE es aber so kommen, wie es kam: Die Verkäuferin rief tags darauf an um zu melden, dass die Interessentin eine Panne hatte, der Zugriemen war kaputt. Wenn man schon eine zweite Chance hat, so soll man sie auch nutzen: Sonntags darauf also wieder eine lange Autofahrt und zwei Kolleginnen dabei. Pony besichtigt, verliebt und gegen das Händlerprinzip verstossen, bald eine Ankaufsuntersuchung eines Tierarztes vom NPZ gemacht (mit erstem Schnee auf der Autobahn), alles okay, was geprüft wurde. Was nicht geprüft wurde, gäbe Story Teil 2 bis gefühlte 1000. 

Und so stand dann bald meine Stute Violet im Stall. Der Anfang von weiteren 999 Geschichten - von Ställen, Futter, Fohlen, Ausbildung am Boden und Beritten, Hufen, Wettbewerben, Gesundheit, Gendefekten, Jungpferdausbildungen, Kursen, Fahrausbildung...

Von Sibylle Durrer

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