Antonia Siep, Pferdephysiotherapeutin

Interview mit Antonia Siep

Jeder der einen Eintrag im Pferdenetzwerk hat kann die Interviewfragen beantworten und damit auf sich und sein Angebot aufmerksam machen.

Dieses Interview ist mit Antonia Siep, Pferdephysiotherapeutin aus Wangen

Erzähl etwas über Dich: Wer bist Du und wie hast Du zu Deiner Berufung gefunden?

Ich bin Antonia, 41 Jahre alt und Physiotherapeutin für Pferde. Bereits seit frühester Kindheit sind Pferde ein Teil meines Lebens. 2001 kam mein erstes eigenes Pferd zu mir und mit der Zeit wuchs in mir der Wunsch, immer mehr und besser zu verstehen, wie ich (m)einem Pferd ein möglichst langes, gesundes und glückliches Leben ermöglichen kann. Letztlich habe ich beschlossen, mein über die Jahre erworbenes Wissen aus allen Sparten der Reiterei durch eine anerkannte Ausbildung zu erweitern. Während der Ausbildung, die ich ursprünglich nur für mich begonnen hatte, gab es dann ein paar Schlüsselerlebnisse, die mich veranlasst haben, mich damit nebenberuflich selbständig zu machen. Im Fokus steht dabei für mich die ganzheitliche Betrachtung des Pferdes unabhängig davon, ob das Pferd im Leistungssport oder in der Freizeit eingesetzt wird.

Welche Ausbildung hast Du gemacht?

Ich habe neben der Pferdephysiotherapie am DIPO auch eine Ausbildung in der Akupunktur absolviert und bin aktuell in der Ausbildung zur energetischen Pferdeosteopathin nach Salomon. Zusätzlich bilde ich mich kontinuierlich themenspezifisch weiter. Je mehr ich dabei lernen darf, desto klarer wird mir, wie richtig der Ausspruch von Sir Isaac Newton war: „Was wir wissen, ist ein Tropfen, was wir nicht wissen, ein Ozean.“ In diesem Sinne bleibe ich wissenshungrig und lerne immer weiter.

Was fasziniert Dich an Deiner Arbeit, was macht Dich glücklich?

Es ist jedes Mal aufs neue faszinierend für mich, ein Pferd auf seinem Weg zur Verbesserung der physischen und psychischen Konstitution unterstützen zu dürfen. Besonders glücklich machen mich dabei die vielen kleinen Momente, in denen ich merke, dass wir auf dem jeweils richtigen Weg sind.

Auf was legst Du bei der Arbeit besonderen Wert?

Da ich häufig zu Pferden komme, deren Probleme nicht so ganz einfach einzuordnen oder sehr vielschichtig sind, sei es körperlich oder auch psychisch, ist für mich zunächst eine möglichst umfassende Bestandsaufnahme sehr wichtig. An allererster Stelle steht für mich dabei das Pferd mit seinen Bedürfnissen. Da wir Menschen diese Bedürfnisse so weit als möglich befriedigen müssen, liegt mir die Kommunikation mit den Besitzern besonders am Herzen. Ohne das Verständnis und die Kooperation der Besitzer ist die beste Therapie nicht langfristig wirksam. Daher versuche ich, die Besitzer bestmöglich miteinzubeziehen, ihnen Übungen und Ideen zur weiteren Arbeit an die Hand zu geben, damit sie dann selbst entscheiden können, inwiefern sie autark weiterarbeiten möchten oder sich eine engmaschigere Betreuung wünschen. Auch halte ich es für unabdingbar – gerade im Hinblick auf Pferde, die aktiv im Sport eingesetzt werden – die jeweiligen Anforderungen an das Pferd zu verstehen und nachvollziehen zu können, um Empfehlungen so abzugeben, dass sie auch innerhalb des Trainingsbetriebs umsetzbar sind. Besitzer und Trainer aktiver Sportpferde (ob Dressur, Springen, Western oder Rennsport) stehen oftmals unter Druck, haben eine gewisse Erwartungshaltung und die Pferde müssen einer anderen Beanspruchung standhalten, als dies im Freizeitbereich der Fall ist. Dennoch den bestmöglichen Weg für das Pferd zu finden und sowohl die Leistungsfähigkeit zu steigern als auch das Wohlbefinden zu optimieren, ist nochmals eine besondere Herausforderung.

Gibt es ein prägendes Erlebnis, dass du uns noch erzählen möchtest?

Eines der bis dato eindrücklichsten Erlebnisse war die erste Begegnung mit der Stute Veneza. Ihr Besitzer schilderte mir zunächst primär körperliche Symptome, im Verlauf des Gesprächs kamen jedoch auch deutliche psychische Probleme zur Sprache. Die Stute blieb nicht gerne zurück, wenn die Pferde aus den Nachbarboxen herausgeholt wurden. Sie hatte allein grossen Stress und regte sich dann so auf, dass man befürchtete, sie würde aus ihrem Paddock heraus springen. Bei meiner Untersuchung konnte ich auf Anhieb keinen körperlichen Ansatz finden, insgesamt schien mir das Pferd jedoch ausgelaugt und angespannt zu sein. Sie gab mir das Gefühl, als müsse sie erstmal innerlich loslassen können, und entschied mich sie mit Akupunktur zu unterstützen. Dazu kamen mir bei ihr drei Punkte in den Sinn. Beim ersten Punkt reagierte Veneza noch kaum merklich. Auf die Stimulierung des zweiten Punkts jedoch so heftig wie ich persönlich es noch nie erlebt habe. Ihre Brust pulsierte, sie schien wie in Trance. Auf den dritten Punkt verzichtete ich daraufhin und nachdem sich die Lage wieder normalisiert hatte, bat ich den Besitzer, mich doch zwei Tage später anzurufen, ob sich irgendetwas in eine positive Richtung verändert hatte, um dann ggf. eine kurzfristige Folgebehandlung zu vereinbaren. Als ich bereits am nächsten Tag seine Nummer in meinem Telefondisplay sah, traute ich mich kaum zu fragen, ob alles ok sei. Seine Antwort trieb mir dafür die Tränen in die Augen: „Ok ist nicht das Wort, was ich für dieses Wunder benutzen möchte. Ich habe mein altes Pferd zurück, ich weiss nicht, wie ich dir danken soll. Heute morgen wurden die Pferde aus der Nachbarbox geholt und Veneza frass genüsslich weiter ihr Heu, zum ersten Mal seit sie hier ist.“ (Der Besitzer hatte Veneza drei Monate zuvor aus Portugal zu sich in die Schweiz geholt) Solche tollen Rückmeldungen sind natürlich eine wahnsinnige Motivation!

Mehr über Antonia Siep erfährst Du unter: https://www.pferd-e-motion.com/

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