Clickertraining mit Barbara Bösch

Interview mit Barbara Bösch

Erzähl etwas über Dich: Wer bist Du und wie hast Du zu Deiner Berufung gefunden?

Ich bin 46 Jahre alt und seit es mich gibt, fühle ich mich sehr zu Tieren hingezogen. Vor einigen Jahren habe ich in einer Weiterbildung das Clickertraining kennen gelernt und es fiel mir wie Schuppen von den Augen. Da hierzulande Clickern vor allem im Hundebereich praktiziert wird, hatte ich bereits davon gehört, aber ich dachte immer, das geht mich nichts an, denn ich habe mit Pferden zu tun und nicht mit Hunden. Als ich die Methode vorgestellt bekam, begriff ich, dass es sich um einen Weg handelt, jedes Tier durch einen Lernprozess zu begleiten, und dies unter absolutem Verzicht auf Druck, Zwang und Strafe. Ich war hell begeistert und fing mit allen Tieren, die mir zur Verfügung stehen, an, zu clickern. 

Welche Ausbildung hast Du gemacht?

Ich bin Tierpflegerin, habe über zehn Jahre im Zoo Basel gearbeitet. Dann habe ich das Diplom in Sozialer Arbeit gemacht, Fachrichtung Soziokulturelle Animation und anschliessend habe ich mich im Bereich der tiergestützten Interventionen weitergebildet. Dort lernte ich auch das Clickertraining kennen und entschloss mich kurze Zeit später, am Clickerzentrum Schweiz die Ausbildung zum Clickertrainer zu machen.

Was fasziniert Dich an Deiner Arbeit, was macht Dich glücklich?

Grundsätzlich schlägt mein Herz für das Thema Mensch-Tier-Entwicklung, ganz egal, ob das beim Unterrichten ist oder an meiner Arbeitsstelle, wo ich ebenfalls mit Menschen und Tieren arbeite. Ich freue mich ganz besonders, wenn ich sehe, dass meine Schüler Fortschritte machen, für ihre Tiere zu besseren Trainern werden und die Pferde aus sich herauskommen und vor Freude zu strahlen beginnen, sobald sie mit ihrem Menschen trainieren dürfen.

Auf was legst Du bei Deiner Arbeit besonders Wert?

Für mich steht das Wohl des Tieres an oberster Stelle. Besonders am Anfang, wenn Mensch und Pferd noch nicht vertraut sind mit der Methode, sehe ich viele gestresste Pferde, die sich aus Angst vor Strafe entweder nicht getrauen, Verhalten zu zeigen, oder so viel unerwünschtes Verhalten an den Tag legen, dass ihre Besitzer sich nicht anders zu helfen wissen, als sie zu massregeln. Für Pferdeleute ist der Einstieg in die Methode oft nicht leicht, weil sie sich von allem, was man so kennt in der Pferdeszene, grundlegend unterscheidet. Sämtliche gängigen Erziehungs- und Ausbildungsmethoden nutzen in erster Linie das Prinzip der negativen Verstärkung, um dem Pferd einen Lerninhalt begreiflich zu machen. Wenn man mit dem Clickertraining, also dem Prinzip der positiven Verstärkung, beginnt, ist es ratsam, alles, was man bisher gewusst und getan hat, einfach mal zu vergessen und sich ganz neu darauf einzulassen. Besonderen Wert lege ich darauf, dass meine Schüler verstehen, dass sie nur Erfolg haben werden, wenn sie an sich und an ihren Fähigkeiten als Trainer arbeiten. Es geht nie um die „Korrektur“ der Pferde, es geht immer um die Frage: Wie baue ich das Training auf, damit Erfolg sich einstellen kann?

Gibt es ein prägendes Erlebnis, dass Du uns noch erzählen möchtest?

Da gibt es viele. Als ich mit dem Clickertraining begann, kam es mir oft wie ein Wunder vor, was alles möglich ist. Vorher dachte ich immer, mein Pferd ist etwas schwer von Begriff und lernt langsam. Dies änderte sich schlagartig, als ich endlich in der Lage war, den Lerninhalt so zu erklären, dass mein Pferd mich verstand. Ich war von diesem Moment an in der Lage, meinem Pferd Dinge beizubringen, von denen ich mir zuvor nicht einmal vorstellen konnte, dass ein Pferd sie überhaupt lernen kann. Die Auseinandersetzung mit der Methode hat mich als Person sehr geprägt, weil ich im Laufe der Zeit so manche meiner Glaubenssätze und Einstellungen über Bord geworfen habe. Ich glaube schon lange nicht mehr an Pferde, die Menschen dominieren wollen und ich glaube auch nicht mehr, dass ich als Mensch „Chef“ über ein Tier sein muss, um mit diesem Tier ohne Risiko umgehen zu können. Für mich hat sich vieles verändert, und die Beziehung zu meinem Pferd hat sich sehr stark gewandelt, ist viel mehr zum Dialog geworden. Mein Pferd sagt heute auch mal „Nein“ und traut sich, Vorschläge für gemeinsame Aktivitäten zu machen. Die Beziehung hat sich zum partnerschaftlichen hin entwickelt, und dies macht mich sehr glücklich. 

Barbara Bösch, Clickertraining - https://tierpunkt.jimdo.com/

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