Symposium PFERDE 2017 - MUSKELN - FASZIEN - LAHMEN | Pferdenetzwerk
Faszien beim Pferd

Symposium PFERDE 2017 - MUSKELN - FASZIEN - LAHMEN

Faszien - Hype oder das geniale Körpersystem in der Therapie?

Konzept & Organisation Corinne Hauser

Zum 3. Mal trafen sich Pferdebegeisterte am 11.11.17 im Demonstrationssaal der Vetsuisse-Fakultät Universität Zürich. Ein Ziel dieser Tagung ist es, Konzepte für ein gesamtheitliches Management rund um das gesunde Pferd erklären zu können. Besten Dank an alle Teilnehmer, Referenten und Sponsoren. Alle unterstützen die Vision der Stiftung Pro Pferd, die Förderung der Gesundheit und des Wohlbefindens von Pferden, und leisten mit der Teilnahme einen aktiven Forschungsbeitrag. Der grosse Andrang; ein untrügliches Zeichen, ein interessierendes Thema aufgegriffen zu haben, freut uns sehr.

ANATOMIE

1-12 Orientierungspunkte:

1 Unterkieferrand; 2 Atlasflügel; 3 Widerrist; 4 Schulterblattgräte, Spina scapulae; 5 Ellbogenhöcker; 6 Erbsenbein; 7 Fesselgelenk;    8 Rippen; 9 Hüfthöcker; 10 grosser Umdreher, Trochanter major des Oberschenkelknochens; 11 Kniescheibe; 12 Fersenhöcker.

13 Mimische Muskulatur; 14 Kaumuskulatur, M. masseter; 15 untere Halsmuskulatur, M. sternocephalicus; 16 Oberarm-Kopfmuskel, M. brachiocephalicus; 17 oberflächlicher Brustmuskel; 18 tiefer Brustmuskel, M. pectoralis profundus.

19 Breiter Rückenmuskel, M. latissimus dorsi; 20 M. trapezius; 21 Muskel zwischen Dornfortsätzen, M. spinalis thoracis – muskulöse Grundlage des Widerrists; 22 milz­förmiger Muskel, M. splenius – kann Dornfortsätze des Widerristes gegen vorne ziehen = aufrichten; 23-24: Sägemuskel, M. serratus ventralis: 23 sein Halsteil,
24 sein Brustteil.

25 Oberer Grätenmuskel, M. supraspinatus; 26 unterer Grätenmuskel, M. infra­spinatus – wirkt als Seitenband des Schultergelenks und ist bedeckt vom M. deltoideus; 27 M. deltoideus – Beuger des Schultergelenks; 28 M. triceps brachii – Strecker des Ellbogengelenks, die hinteren Teile wirken auch als Beuger des Schultergelenks; 29 M. biceps brachii – Beuger des Ellbogengelenks, bedeckt vom M. brachiocephalicus; 30 Strecker von Karpalgelenk und Zehe; 31 Beuger von Karpalgelenk und Zehe.

32 Bauchmuskulatur, sichtbar äusserer schiefer Bauchmuskel;       33 langer Rücken­muskel bedeckt von Faszie; 34 mittlerer Kruppenmuskel – Strecker des Hüftgelenks, 34’ seine Lendenzacke; 35 oberflächlicher Kruppenmuskel; 36-37 lange Sitzbein­muskeln für Vorwärtsschub: 36 M. biceps femoris, 37 halbsehniger Muskel, M. semi­tendinosus; 38 Faszienspanner, M. tensor fasciae latae; darunter 39 der Kniestre­cker, M. quadriceps femoris.

40 Vordere Unterschenkelmuskulatur – Beuger des Sprunggelenks, Strecker der Zehe; 41 hintere Unterschenkelmuskulatur = Wadenmuskeln – Strecker des Sprunggelenks, Beuger der Zehe;  42 Schwanzmuskulatur.

Verbindungslinien der Faszien:

blau: oberflächliche dorsale = obere Verbindungslinie

grün: oberflächliche ventrale = untere Verbindungslinie

orange: laterale = seitliche Verbindungslinie mit 2 Bahnen

a Ohrspeicheldrüse, Parotis; b Drosselvene; c Huf

Biotensegrität:

"Tensegrity ist ein englisches Kofferwort aus tension, also Spannung und integrity, Ganzheit, Zusammenhalt.“ Ein Tragwerkssystems in dem sich Strukturen durch Druck und Spannung selbst stabilisieren.) Dies ist das übergreifende strukturell-mechanische Konzept, das unsere bisherigen vereinzelten Kenntnisse über die Faszie verbindet (Snelson 2009, Fuller & Applewhite 1975). Es revidiert die Vorstellung, dass das Skelett das Gerüst für die Weichteilgewebe darstellt, zugunsten der Vorstellung eines integrierten Fasziengewebes mit „schwebenden“ Druckelementen (bei Wirbeltieren: Knochen), die in die Zwischenräume zwischen den Spannungselementen eingeflochten sind.

 

Prof. Dr. med. vet. Geyer eröffnete die Tagung mit der Anatomie der Faszien und Muskeln. Seine wie üblich perfekt vorbereitete Demonstration am extra für diesen Anlass bearbeiteten Präparat war eindrücklich und es wurde jedem klar, wie hoch elastisch eine Faszie ist. Das Tragwerksystem in dem sich Strukturen durch Druck und Spannung selbst stabilisieren war im wahrsten Sinn des Wortes gewichtig. Im Körper bestehen Verbindungen durch die Faszien (Abb. 1), die von den Gliedmassen über den Rumpf bis zum Hals reichen und die Bewegung beeinflussen. Tiefe Faszien koordinieren das Zusammenwirken der Extremitätenmuskulatur und baut die Grundspannung auf. Unter anderem war auch die Tatsache, dass an den unteren Gliedmassenabschnitten, das heisst unterhalb von Karpalgelenk und Sprunggelenk, die beiden Faszienschichten miteinander verschmolzen sind, sehr interessant. Sie sind nur noch dort getrennt, wo grosse Gefässe und Nerven verlaufen, z. B. seitlich der Gleichbeine am Fesselkopf, wo die Nerven und Gefässe für die Zehe durchziehen.  Die Sehnenhaltebänder, die man vor allem distal an Unterschenkel und Unterarm sowie am Fuss findet, sind nichts anderes als stark verdickte Faszien, welche die gleitenden Sehnen in ihrer korrekten Lage halten sollen.

WISSEN AUS DER HUMANMEDIZIN

Frau Anne-Louise Haas-Brunner erklärte wichtige Eckdaten aus dem aktuellen Wissensstand der Humanmedizin, u. a. den Faszientonus, die Muskeln und Faszie betreffende (myofasziale) Kraftübertragung. Muskeln sind über die Faszien mit anderen Muskeln verbunden → Ergänzung zur bisherigen Sichtweise „Muskeln setzen an Knochen an“: Nirgends im Körper setzt irgendein Muskel an einem Knochen an - es sind stets bindegewebige Strukturen dazwischen! Die Faszie ist ein Metasystem. Das einzige System im Körper, das Verbindung zu allen physiologischen Funktionen hat. Es verbindet und beeinflusst sämtliche andere Systeme.

Das Bewusstsein wurde geschaffen, wie schmerz empflindlich das Bindegewebe überhaupt ist. Sie erläuterte die verschiedenen Therapiearten. Durch manuelle Techniken versucht man bei schmerzhaften Prozessen, wie allfälligen Verklebungen, die Gleitfähigkeit und die Blut- und Lymphzirkulation im Bereich der Faszien und der benachbarten Gewebe zu verbessern.

Fallbeispiele aus der Humantherapie zeigten auf, dass eine Behandlung sehr schmerzhaft und effektiv sein kann. Die Blackroll als Massagerolle bei Schmerzen – welche vor allem bei Sportlern sehr beliebt ist - scheint plausibel aber viele der angepriesenen Effekte sind wissenschaftlich nicht nachgewiesen oder sogar widerlegt. Die Rolle ist lediglich als Mittel zur kurzfristigen Steigerung der Flexibilität und zur Verhinderung von starkem Muskelkater zu empfehlen. 

Therapieformen

Faszientherapie steht hier für verschiedene Manuelle-Therapie-Techniken, in denen Druck auf Muskeln und Faszien ausgeübt wird. Die möglichen Wirkungsmechanismen lassen sich in

  • mechanische Verklebung oder Verwachsung (Rodriguez & Fernando 2010), Thixotropie (Schleip 2003),
  • Piezoelektrizität (für die Stosswellentherapie benutzt) (O’Connell 2003),
  • Entzündungen der Faszien (Findley et al.2012),
  • gestörter Fluss der Gewebsflüssigkeiten (Schleip & Divo 2013) und
  • neurophysiologische Mechanismen (Mechanorezeptoren = mechanische Sinne) einteilen.

Es scheint, dass die Wirkung der Faszientherapie über einen neurophysiologischen Weg verläuft.

Triggerpunkttherapie/Dry Needling: Bei der klassischen manuellen Triggerpunkttherapie übt der Therapeut starken stumpfen Druck aus.

Eine Alternative zur Triggerpunkttherapie mit den Händen ist:

  • Die Ultraschalltherapie ist ein Teilbereich der Physikalischen Therapie bzw. der Elektrotherapie und beschreibt ein medizinisches Verfahren zur Schmerzlinderung und Unterstützung von Selbstheilungsprozessen mittels Ultraschall.
  • Die Soft-Laser-Therapie gehört zum Teilgebiet der Lichttherapie. Aufgrund seiner niedrigen Leistung entwickelt der Laser keine thermische Wirkung auf der Haut und ist somit, sofern er nach der medizinischen Geräteverordnung zugelassen ist, nebenwirkungsfrei und schmerzlos. Der Softlasertherapie wird ein stimulierender Einfluss auf das Gewebe und die Zellen zugeschrieben. Deshalb wird das Lasergerät auch als Biostimulationslaser bezeichnet.
  • Dry Needling ist eine wirksame Ergänzung zur manuellen Triggerpunkt-Therapie. Hierbei wird mit einer dünnen Nadel ohne Medikament (deshalb der Name dry = trocken) ganz präzise in den Triggerpunkt gestochen, welcher für die aktuellen Beschwerden verantwortlich ist. Dadurch werden die Verkrampfungen gelöst, die lokale Durchblutungssituation verbessert und die lokalen Entzündungsreaktionen gesenkt. Das «dry needling» wird bei der Behandlung von Schmerzsyndromen, in der Sportphysiotherapie und der orthopädischen Rehabilitation angewendet. Verschiedene Studien haben bewiesen, dass es nicht nötig ist Substanzen in einen Triggerpunkt hineinzuspritzen, damit er abheilt, sondern dass es der präzis geführte Stich an sich ist. Deshalb hat sich der Begriff des «trockenen Nadelns» ergeben. Diese Technik hat aber nichts mit Akupunktur zu tun, ausser dass das gleiche Werkzeug verwendet wird. Der Stich durch die Haut ist kaum spürbar. Wenn man den Triggerpunkt trifft zieht sich der Hartspannstrang in dem sich der Triggerpunkt befindet kurz aber heftig zusammen. Dieses Auslösen der sogenannten lokalen Zuckungsantwort kann als unangenehm empfunden werden, ist aber ein Muss bei der intramuskulären Stimulation (IMS).

Bindegewebsmassage: Zur Beschreibung von Bindegewebseinschränkungen und/ oder -gestörte Funktion werden verschiedene Begriffe verwendet: Z. B. unter der Haut befindliche Zellulitis (subkutane Pannikulose). Diese wird mittels Hautfaltentest nach Kibler aufgespürt. Das Konzept basiert auf den Head’schen Zonen (Head 1893, Janig 1996). Head’sche Zonen sind Hautareale, in denen bei Erkrankungen innerer Organe Schmerzen oder Empfindungsstörungen auftreten können.  Hautareale und erkranktes Organ werden dabei durch den gleichen Spinalnerv versorgt. Deshalb können sich erkrankte Organe durch Beschwerden in den entsprechenden Hautarealen bemerkbar machen. Ein Beispiel für solche Beschwerden sind die Schmerzen im linken Oberarm bei Herzinfarkt. So können Beschwerden innerer Organe sozusagen in gesunde Hautareale projiziert werden.

Narbenbehandlung: Das Gewebe des Körpers kann nach Verletzungen, Operationen oder nichtchirurgische Schäden repariert werden. Dies geschieht durch die Bildung von Granulationen (körnige Strukturen) und Narben. Bei der Heilung können Verklebung oder Verwachsungen entstehen. Die Behandlung umfasst das gesamte Spektrum der Reparatur bis zur vollen Funktion.

Osteopathie: Dabei steht die Aktivierung der Selbstheilungskräfte des Körpers im Vordergrund und nicht die direkte Behandlung einer Krankheit. Dieses Ziel soll durch die Behebung von Blockaden ermöglicht werden. Bei fast jeder osteopathischen Technik werden fasziale Elemente ausdrücklich mitangesprochen, und nicht selten ist die Faszie das primäre Ziel der Manipulation.

POSITIVE SPANNUNG

U. a. mit der Eigendemonstration vom Sportphysiotherapeuten und Pferdeostheopathen Stefan Stammer, wurde der Begriff der Körperspannung eindrücklich aufgezeigt. Der Unterschied zwischen „passiv-entspannt“ und „aktiv kontrollierte Federung“ ist die Spannung. Fälschlicherweise wird die Körperspannung oft negativ belegt im Sinne als Verspannung interpretiert. Der Grossteil der Reiter neigt dazu, die Pferde in Entspannung als Zielvorgabe zu reiten, was konträr in Sachen Pferdegesundheit steht. 

Überzeugend legte er dar, warum die beim Pferd bereits zu Beginn seiner Ausbildung vorhandenen Fähigkeiten durch das Training nicht weiter verbessert werden können. Das Training aber ist unverzichtbar, wenn diese Fähigkeiten und die Gesundheit des Pferdes auch unter dem Reiter auf lange Sicht erhalten werden sollen. Er legt Wert neben vernünftigen Rahmenbedingungen und der Entwicklung eines individuell abgestimmten Ausbildungskonzeptes auf eine abwechslungsreiche und vielfältige Grundausbildung mit Einbezug des Geländes und Springen. Unterschiedliche Bodenbeschaffenheiten sind wichtig und die Pferde müssen „spielen und sich austoben können“. Für die Reiter empfiehlt er, dass die Kinder und Jugendlichen auch vielfältig ausgebildet werden sollen. Koordination, Gleichgewicht und Reaktion ist als wichtigste Trainingsparameter in der Grundausbildung anzusehen. Sie sind deutlich vorrangig vor disziplinspezifischem Training.

Dreidimensionalen Zahnradmodell Stammer KINETICS

Anhand des „Dreidimensionalen Zahnradmodell Stammer KINETICS“ zeigt der Sportphysiotherapeut auf, wie die Übertragung der Bewegungsenergie von den Beinen auf den Rumpf des Pferdes funktioniert. Das vordere Bewegungszentrum dient zur Kraftübertragung und das Hintere wird zur Kraftentwicklung genutzt. In Bezug auf die Arbeit mit dem Pferd heisst das:

  • Positive Spannung als Schlüssel zur Bewegungsqualität
  • Losgelassenheit bedeutet die Entwicklung von positiver Spannung.
  • Beweglichkeit ist das Ergebnis der Losgelassenheit nicht ihre Voraussetzung.
  • Trainingsschwerpunkt positive Spannung führt automatisch zum Ergebnis gebogene Linie, Katapult am Absprung und Abfederung der Landung.
  • Steifigkeit und Verkrampfung und/oder Schmerzen entstehen sekundär aufgrund von mangelnder Stabilität.
  • Therapeutische Ansätze zur Verbesserung von Beweglichkeit und Schmerzfreiheit sind nötig, aber in der Regel ohne Konzept zur Stabilität langfristig fragwürdig.
  • Isolierte mobilisierende und lokal begrenzte Techniken sind speziell in Bezug auf die Funktion der Faszien nicht sinnvoll, im Zweifel sogar als schädigende Reize zu beurteilen.

Er ging auf die Wichtigkeit der Bewegung im Allgemeinen und auf die Bewegungsqualität ein. Die Bewegungsenergie des Pferdes wird weitestgehend durch ein so genanntes myofasziales Katapultsystem erzeugt. Dieser Mechanismus ist höchst effektiv und verbraucht nur wenig der körpereigenen Energiereserven. Die Auswahl des individuell richtigen Grundtempos entscheidet über die Mischung von muskulären und faszialen Anteilen im Bewegungsablauf des Pferdes und ist somit die Grundlage für die Funktion des Katapulteffektes und der Trainingssteuerung. Um Funktion zu erzeugen muss im Funktionssystem trainiert werden. Voraussetzung für einen optimalen gesunden Bewegungsablauf ist das individuell richtige Verhältnis zwischen Stabilität, Beweglichkeit und Grundtempo.

Er erklärte die Problematik und die Bedeutung, die nach nur 6 Wochen ohne Schwebephase an der neuromuskulären Organisation im Bewegungssystem einsetzenden Veränderung der sogenannten Voraktivierung. Was sich konkret in stumpfen Bewegungen, Taktfehlern, Festmachen im Rücken und Widersätzlichkeiten zeigt. Die Funktionale Mobilisation ist notwendig, um Impulse zur Rekoordinierung von fehlerhaften Bewegungsabläufen zu setzen.

REHA-THERAPIE nach der Medizinischen Reitlehre nach Stodulka (MRS®)

Bewegung ist Leben und erst durch die richtige Benutzung der 3. Dimension der Bewegung - der Faszien, ist es möglich ein Pferd lange leistungsfähig zu erhalten und bei dysbalancierten und bewegungsgestörten Pferden wieder naturgemäss zu regenerieren. Reiten um zu Stabilisieren.

Praktisch übergangslos an diese Ausführungen schlossen diejenigen von Dr. med. vet. Robert Stodulka an, welcher darlegte, wie das Training des Pferdes aussehen sollte, damit dieses seine volle Leistungsfähigkeit bis ins hohe Alter behält und bei der Arbeit freudig und motiviert mitmacht.

Faszien unterstützen auch die bioenergetisch richtige Haltung des Körpers gegenüber seinem Schwerpunkt. Diesen imaginären Punkt beeinflussen zu können, ist, wie wir ja wissen, in der Reitkunst ein zentrales Element. Über periphere Rezeptoren wird mit dem Gleichgewichtsorgan im Innenohr und den Augen verbunden, wodurch auch die korrekte Kopf-Halsposition an Bedeutung gewinnt. Aufgerollte oder ausserhalb der physiologischen Position gehende Pferde können sich nur dysfunktional und vor allem auch gleichgewichtsgestört bewegen.

Faszien sind sehr stark und flexibel in gesundem Zustand mit Eigenschaften wie z. B. Gleitmedium, Sinnesorgan (6. Sinn), Muskelkraftübertragung, Körperhaltung, Stossdämpfung und Zusammenhalt. Da die Faszien ausnahmslos alle Muskeln überziehen, werden sie auch bei jeder Muskelbewegung bewegt.

Da Faszien mit Nerven durchzogen sind, können sie das Wohlbefinden des Pferdes beeinflussen, zum Beispiel durch das sogenannte Myofasziale Schmerzsyndrom, das sich durch erhöhte Druckempfindlichkeit in abgegrenzten Arealen äussern kann und sich nicht mehr von alleine löst.  Es muss auch die Schmerzprojektion mit bedacht und eruiert werden. Schmerzen können an einer anderen Stelle wahrgenommen werden, z. B. bei einem Herzinfarkt kommt es manchmal zu einer Schmerzwahrnehmung im linken Arm. Und ein nicht unwichtiger Aspekt kommt dazu: Die Faszie fungiert auch als psychoemotionaler Speicher. Psychische und körperliche Überforderung und grobe Hilfengebung können ebenso verantwortlich sein, wie ein unpassender Sattel und ein schief sitzender Reiter. Fasziale Läsionen stellen eine Art Fixpunkt dar, es kann keine Energie mehr fliessen. Das Gewebe verdichtet sich und eine dysfunktionale Struktur beginnt. Spannungen werden auf weiter von dem Ursprungsort entfernten Stellen des Körpers übertragen, das sorgt für fehlerhafte Bewegungen, die sehr häufig ihren Urspung ganz wo anders haben. Z. B. verkanten Pferde im Genick, so kann sehr häufig die Ursache am gleichseitigen Hinterbein zu finden sein. Es empfiehlt sich eine Therapie mit einem  ganzheitlichen Lösungsansatz, sozusagen eine Familienbehandlung von Pferd und Reiter.

Hier setzte der Fachtierarzt für Physikalische und Rehabilitationsmedizin mit der Aufzeigung der Differenz zwischen Lahmen und Gangstörungen ein. Er erläuterte den Zusammenhang der Faszien und – um nur um ein Beispiel herauszupicken -  auf die Vorhand bezogen mit der Halswirbelsäule.

Auch F. Baucher erkannte die Wichtigkeit des Energieflusses, welcher erst wenn alle Körperteile geschmeidig gemacht wurden und dadurch harmonisch untereinander interagieren können, ungehindert fliessen kann.

Wie wichtig eine gezielte korrekte Bewegung während der Genesungsphase ist, wurde auch von ihm betont und darauf sensibilisiert, dass die Boxenruhe eine überholte Therapieform ist. Nicht nur die partielle Mobilisation von Körperregionen der einzelnen Flexionen ist das Geheimnis, sondern vielmehr das wohldosierte Aneinanderfügen der beweglich gemachten Abschnitte, so dass die Puzzleteile zu einem schönen Gesamtkunstwerk werden können.

PHYSIOTHERAPIE

Den Abschluss machte Brigitte Stebler, Präsidentin des SVTPT, in kompetenter Weise. Sie zeigte auf, dass das Faszien System in der physiotherapeutischen Behandlung einen hohen Stellenwert hat. Die Vernetzung der Faszie stellt eine hohe Komplexität dar. Sodass nicht nur mit den Faszien gearbeitet wird, sondern durch die manuelle Praktik immer auch andere Strukturen, wie Wirbelgelenke, innere Organe automatisch mit bearbeitet werden. Die Speicherkapazität der Faszie wurde eindrücklich bildlich demonstriert und es wurde klar, dass eine „Speicherleerung der Faszie“ durch den Physiotherapeuten äusserst notwendig sein kann. Die Faszie in der Therapie korrekt einzubeziehen, bedeutet mehr als Black Roll und Ausstreichungen.

Zusammenfassend kann man feststellen, dass die Faszien ein sehr wichtiger Teil des ganzen Körpers sind. Sie haben lange nicht die Beachtung gefunden, die sie für das Wohlbefinden haben. Das zeigt sich auch daran, dass der erste Kongress zu diesem Thema erst 2007 stattfand.

Auch wenn bei den Teilnehmern – wie in der Wissenschaft – viele Fragen bestehen blieben, so ist es den Referenten doch ausgezeichnet gelungen, für die Bedeutung des Faszien-Systems zu sensibilisieren. Alle Referenten waren sich einig. Die Faszie kann nicht einzeln betrachtet und behandelt werden. Die Schmerzempfindlichkeit der Faszien ist vorhanden und kann auch psychische Ursachen haben. Die Bewegungsqualität des Pferdes mit der positiven Spannung ist essentiell für ein gesundes Reiten. Die Faszie IST EIN GENIALES SYSTEM – aber hoch komplex und gehört in den Aufgabenbereich von qualifizierten Fachtherapeuten. Gutes Reiten ist und war schon immer die beste Voraussetzung für die Gesunderhaltung des Reitpferdes.

Hinweis zu Pro Pferd:
Namensänderung auf den 1.1.2017 : Von der Stiftung und dem Verein „Forschung für das Pferd“ zu „Pro Pferd“. 
 
Das Ziel ist das gleiche geblieben: Wir wollen einen aktiven Beitrag zur Förderung der Gesundheit und des Wohlbefindens von Pferden leisten. 
 
Pferde haben in unserer Gesellschaft einen speziellen Platz. Schon lange haben sie sich vom reinen Nutztier zum Begleittier und Freund gewandelt und nehmen einen wichtigen Platz in unseren Herzen ein. Nicht nur begeisterte Reiter lassen sich von ihrer Grösse, Schönheit und ihrem Wesen faszinieren, sondern auch Menschen, die selbst gar nichts mit ihnen zu tun haben, können sich ihrer Ausstrahlung nicht entziehen. Unsere Stiftung unterstützt dabei wissenschaftliche Projekte rund um die Gesundheit von Pferden, wie zum Beispiel die laufende Studie „präventive Immunisierung gegen das Sommerekzem“. Der Erlös des Gönnervereins geht mit der gleichen Bestimmung an die Stiftung und leistet damit einen wichtigen Forschungsbeitrag.
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