Kristina Gau - 5 Elemente

Vom Können und Wollen

von Kristina Gau
Darf dein Pferd und will es auch? Oder muss es meistens und soll es nicht?

Wenn ich nur darf wenn ich soll, aber nie kann wenn ich will, dann mag ich auch nicht wenn ich muss. Wenn ich aber darf wenn ich will, dann mag ich auch wenn ich soll, und dann kann ich auch wenn ich muss. Denn schließlich ist es doch so: Die können sollen, müssen auch wollen dürfen.
Heinz Schirp

Tänzer Bitte nimm dir einen Moment lang Zeit, um über diese Idee in Bezug auf dein Pferd nachzudenken.

Was bedeutet es für dich und das Zusammensein mit deinem Pferd?

Die eigene Meinung des Pferdes ist mir ein besonders wichtiges Gut. Sie zu erkennen und zu respektieren, ist mir im Training wichtig. Aber natürlich gibt es Situationen, in denen wir seine Energie in geregelte Bahnen lenken müssen, damit etwas Konstruktives für das Pferd und uns daraus entstehen kann. Wie wir dieses Lenken umsetzen, ist die entscheidende Frage.

In meinem Coaching geht es immer wieder um Erkenntnis. Dies in Bezug auf uns selber und in Bezug auf das Pferd. Welche Persönlichkeitsmerkmale, die ich in fünf Elemente aufteile, sind gerade besonders aktiv und warum? Und welche Elemente können helfen, das ureigene Potenzial des Pferdes noch mehr zu entfalten? Das sind Fragen, die niemals pauschal beantwortet werden können. Gerne möchte ich aber ein Beispiel dafür nennen.

Jeder Mensch und jedes Pferd ist ein Lehrer, Abenteurer, Mönch, Tänzer und Krieger. Alle diese Elemente wollen im Leben und im Zusammensein berücksichtigt und gefördert werden. Fördern wir alle fünf Elemente der Persönlichkeit, anlehnend an die Traditionelle Chinesische Medizin TCM, so kommen wir in Balance.

Roy ist ein achtjähriger Tinkerwallach, der oft als introvertierter Energiesparer bezeichnet wird. In Roy ist das Persönlichkeitselement des „Mönchs“ und auch des „Lehrers“ aktiv. Er ist besonders in sich ruhend und geduldig. Nun brauchen wir aber vor allem für seine körperliche Balance mehr Bewegung und Dynamik. Um ihn gesund Reiten zu können, muss Roy nicht nur Muskeln aufbauen, sondern auch beginnen mehr mit der Hinterhand zu tragen. Dies hat unabhängig vom Reiten einen gesundheitsfördernden Aspekt. Daher müssen wir für ihn die Persönlichkeitselement des „Abenteurers“ und des „Tänzers“ vermehrt aktivieren. Es wird immer geschaut, was ein Pferd mehr braucht, nicht was wir verringern oder gar weghaben wollen. Das ist mir ein wichtiger Denkansatz. Denn Roys Besonnenheit und innere Stabilität sind wichtige Merkmale seines Wesens. Im Training helfen wir ihm dabei, weitere Aspekte seiner Persönlichkeit zu stärken. So versuchen wir also durch bewusste Übungen am Boden die Abenteuerlust in Roy zu wecken. Dies können wir zum Beispiel erreichen, in dem wir sein Interesse durch die Nutzung von Bodenhindernissen wie Planen und Pylonen wecken. Oder aber wir verlagern Übungen direkt ins Gelände, wo er generell mehr Motivation für Bewegung zeigt. Was wir dadurch erhalten ist mehr Flexibilität des „Abenteurers“. Durch das Einbauen von spielerischen Elementen in der Freiarbeit entwickelt der „Tänzer“ mehr Beweglichkeit und er beginnt sich in der Vorhand zu heben. Wichtig ist es mir, dass das Pferd zur Eigenmotivation animiert wird. Ein Konzept, das auch in der intrinsischen Ausbildung von Bedeutung ist. Wir schaffen eine Lernatmosphäre die es Mensch und Pferd ermöglicht, die in dem Moment notwendigen Reaktionen quasi mühelos auszuführen. Hat er entsprechende Muskeln aufgebaut, um kurze Intervalle lang einen Reiter tragen zu können, werden die Elemente unter dem Sattel weiter gefördert. Aber was ist denn mit dem „Krieger“ in Roy? Darüber haben wir jetzt noch gar nicht gesprochen. Für Roy und seinen Menschen ist die Vorstellung, dass auch ein Krieger in ihnen wohnt, teilweise noch schwer zu greifen. Und doch ist er da und möchte entdeckt werden. Ganz vereinzelt blitzt er manchmal schon auf, ist dann aber ebenso schnell wieder weg. Auch dieses Element zu fördern ist ein Ziel des Coachings. Das Erlernen von kraftvollen Posen hilft unter anderem die Selbstsicherheit zu steigern. Wir sind daher dabei auch dieses Element nach und nach immer weiter auszuformen.

Wichtig finde ich noch zu betonen, dass wir die individuelle Persönlichkeit des Pferdes respektieren müssen. Und dies auch ganz unabhängig von der Rasse. Denn eine Rasse ist nicht automatisch der einen oder anderen Persönlichkeit zuzuordnen. Das nachfolgende Beispiel ist daher eine bewusste Verallgemeinerung. Aus einem eher introvertierten Kaltblut wollen und können wir nicht einen explosiven Vollblüter machen. Aber wir können im Kaltblut die Bewegungs- und Experimentierfreude wecken und im Vollblüter die Geduld und den Rhythmus.

Tipps von Kristina Gau


Kristina Gau Hiltbrunner ist seit 2009 in der Schweiz und hat in 2012 ihnen Abschluss als Trainer C beim Schweizer Freizeitreitverband SFRV gemacht. Sie arbeitet aktuell Teilzeit als Coach und Therapeutin online sowie mobil für FreizeitreiterInnen und mobile Reitlehrerin für FreizeitreiterInnen in Bern und unterstützt diese bei der Ausbildung ihrer Gross-, Kleinpferde und Ponys.

https://jiyumacoaching.jimdofree.com/

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